Abschreibung

Vermögensgegenstände nutzen sich aus steuerlicher Sicht ab und verlieren somit in der Zeit an Wert. Sei es Verschleiß, technischer Fortschritt oder ein Lizenzablauf. Diesen Wertverlust kann steuerlich geltend gemacht (also von den zu versteuernden Einnahmen abgezogen) werden. Das bezeichnet man im Steuerrecht als Abschreibung.

Das Prinzip der Abschreibung einfach erklärt

Für Privatanleger ist vor allem die Abschreibung für Abnutzung von Renditeimmobilien interessant. Selbstständige und Unternehmer können viele weitere Vermögensgegenstände absetzen (wie etwa Büromöbel, Fahrzeuge, Maschinen und Werkzeuge).

Dabei geht das Finanzamt je nach Vermögenswert von unterschiedlichen Nutzungsdauern aus. Bei einem normalen PKW etwa beträgt die Nutzungsdauer aus steuerlicher Sicht sechs Jahre. Bei einem Computer hingegen drei Jahre. Die verschiedenen Nutzungsdauern werden vom Finanzamt in Form von sogenannten “AfA-Tabellen” vorgegeben.

  • Vermögensgegenstände werden abgenutzt und verlieren an Wert
  • Wertverlust kann steuerlich geltend gemacht werden

Beispiel: Büroausstattung abschreiben

Ein Unternehmen erwirbt einen Rechner mit einem Nettopreis (also ohne Umsatzsteuer) von 900 Euro. Gemäß der vom Finanzamt vorgegebenen Abschreibungstabelle kann diese Ausgabe nicht in voller Höhe im Jahr der Anschaffung vom Gewinn des Unternehmens abgezogen werden. Stattdessen muss der Kaufpreis auf drei Jahre verteilt abgezogen werden. Entsprechend kann das Unternehmen beim Kauf dieses Rechners drei Jahre lang jeweils 300 Euro von seinem Gewinn abziehen. Der Zeitraum von drei Jahren wurde deshalb gewählt, weil davon ausgegangen wird, dass Computer drei Jahre halten bzw. nach drei Jahren veraltet sind. Natürlich kann das Unternehmen den Rechner so lange nutzen, wie er tatsächlich funktioniert. Allerdings ist er nach drei Jahren vollständig steuerlich abgeschrieben. Der steuerliche Vorteil entfällt also ab dem vierten Jahr, der Rechner steht “in den Büchern” (= Buchhaltung) mit 0 Euro (= Buchwert)

Stand 2018: Alle Wirtschaftsgüter eines Unternehmens, deren Nettoanschaffungskosten (ohne Umsatzsteuer) über 800 Euro liegen, müssen auf diese Weise über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben werden. Bis zu einem Nettobetrag von 800 Euro können sie im Jahr des Erwerbs vollständig (in einer Summe) abgesetzt werden.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Abschreibung

Gründe für die Abschreibung

Für die Abschreibung von Wertgegenständen gibt es unterschiedliche Gründe. Manche Gegenstände werden vom technischen Fortschritt überholt, andere laufen ab oder nutzen sich einfach nach der Zeit ab.

  • Technischer Fortschritt
  • Zeitlich bedingter Verschleiß
  • Gebrauch
  • Ablauf von Rechten

Abschreibungspflichtige Vermögensgegenstände

Nach § 253 Abs. 2 – 4 HGB wird geregelt, welche Vermögensgegenstände abgeschrieben werden dürfen. Dazu zählen Wirtschaftsgüter des Anlage- und Umlaufvermögens:

  • Fuhrpark
  • Technische Anlagen und Maschinen
  • Gebäude
  • Grundstücke
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung
  • Werkzeuge
  • Patente
  • Lizenzen
  • Konzessionen
  • Forderungen

Abschreibung nach AfA

Für Privatanleger ist vor allem die Abschreibung für Abnutzung von Renditeimmobilien interessant. Bei Renditeimmobilien (also solchen, die man nicht selbst nutzt, sondern vermietet) geht das Finanzamt je nach Baujahr aus steuerlicher Sicht von einer Nutzungsdauer von 40 oder 50 Jahren aus. Dabei kann man die Möglichkeit der Abschreibung nur für das Gebäude selbst beanspruchen. Das Gebäude nutzt sich ab, das Grundstück nicht. Der Bezugswert ist folglich der Gebäudeanteil (inkl. bestimmter Kaufnebenkosten), nicht der Kaufpreis.

Anmerkung: In der Vergangenheit hat man bei der AfA steuerlich zwischen „Neubauten“ und „Altbauten“ unterschieden. “Altbauten” sind aus steuerlicher Sicht alle Immobilien, die man nicht als Ersterwerber gekauft, bzw. nicht als Bauherr selbst erstellt hatte. Wenn man also beispielsweise vom Erstbesitzer eine Eigentumswohnung erwirbt, die drei Jahre alt ist, handelte es sich aus steuerlicher Sicht bereits um einen Altbau. Die besondere Abschreibung für „Neubauten“ existiert aktuell (Stand 2019) nicht mehr. Sie ist daher für aktuelle Immobilienkäufe uninteressant. Es besteht aber durchaus die Möglichkeit, dass diese wieder eingeführt werden kann, um die Erstellung von Neubauten anzukurbeln.

AfA-Tabellen

AfA-Tabellen sind Hilfsmittel, um die Nutzungsdauer von Anlagegütern zu schätzen. Die vorgegebenen Werte basieren nur auf Erfahrungswissen und stellen keine bindende Rechtsnorm dar. Die Abschreibungssätze werden dennoch in der Verwaltung, Wirtschaft und Rechtsprechung allgemein anerkannt.

  • AfA: Absetzung für Abnutzung
  • AfA-Tabellen geben die Nutzungsdauer von Anlagegütern dar
  • Sie basieren auf Erfahrungswerten, werden jedoch allgemein in der Rechtssprechung anerkannt

Abschreibungsarten

Planmäßige Abschreibung

Bei der planmäßigen Abschreibung müssen Gegenstände des Anlagevermögens die Anschaffungs- und Herstellungskosten planmäßig den Wert senken. Der Wert des Gegenstands soll auf die Geschäftsjahre verteilt werden, in denen er genutzt wird.

Gehen wir also davon aus, dass ein Unternehmen eine Maschine für 5.000 Euro kauft, die 5 Jahre lang genutzt werden soll. Hierbei werden dann 5 Jahre lang jedes Jahr 1.000 Euro abgeschrieben (lineare Abschreibung).

  • Der Wert des Gegenstands wird auf die Geschäftsjahre verteilt, in denen der Gegenstand genutzt wird

Außerplanmäßige Abschreibung

In einigen Fällen sind auch außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen. Dazu kommt es, wenn der Wert des Vermögensgegenstands sinkt, zum Beispiel im Falle einer Beschädigung.

Wenn wir bei unserem Beispiel mit der Maschine bleiben, könnte es wie folgt aussehen: Das Unternehmen kauft die Maschine für 5.000 Euro und schreibt sie 3 Jahre lang planmäßig ab. Im 4. Jahr geht die Maschine kaputt und weist einen Restbuchwert von 2.000 Euro auf. Dann ist es möglich den Restbuchwert von 2.000 Euro außerplanmäßig abzuschreiben.

  • Zu außerplanmäßigen Abschreibungen kommt es, wenn der Wert des Gegenstandes sinkt
  • Eine Senkung des Wertes kann zum Beispiel nach einer Beschädigung erfolgen

Abschreibungsmethoden

Bei den Abschreibungsmethoden handelt es sich zum einen um die degressive und zum anderen um die lineare Abschreibung. Jeder Unternehmer sollte den Unterschied der beiden Methoden kennen, um so seine steuerlichen Vorteile maximal ausnutzen zu können.

Lineare Abschreibung

Absetzung in gleichen jährlichen Beträgen (daher der Begriff „linear“). Bei ganz oder teilweise vermieteten Wohngebäuden können 50 Jahre lang 2 Prozent der Kosten des Gebäudes (Kaufpreis ohne Wert des Grundstücks), die zu dem vermieteten Gebäudeteil gehören, von den Einkünften abgezogen werden. Bei Gebäuden, die vor dem 1.1.1925 erbaut wurden, können 40 Jahre lang jährlich 2,5 Prozent abgesetzt werden.

Beispiel

Eine vermietete Immobilie mit Baujahr 1980 wird für 100.000 Euro erworben. Der reine Gebäudewert (ohne Grundstück) beträgt 85.000 Euro. Entsprechend kann der Käufer jedes Jahr 2 Prozent dieser Summe, also 1.700 Euro, von seinem zu versteuernden Einkommen abziehen. Und das 50 Jahre lang. Wie hoch die Steuerersparnis ausfällt, hängt von der Höhe des Einkommens und dem entsprechenden Steuersatz ab.

  • Jährlich gleicher Betrag wird abgeschrieben
  • Am Ende der Abschreibung liegt der Wert des Gegenstands bei 0

Degressive Abschreibung

Im Gegensatz zur Absetzung in gleichen jährlichen Beiträgen (= linear) sind bei der degressiven Abschreibung die Prozentwerte am Anfang hoch und sinken dann (degressiv). Es folgt ein Beispiel zur degressiven Abschreibung:

  • Die ersten 5 Jahre 7%
  • dann 4 Jahre 5%
  • dann 3 Jahre 3%
  • danach 1% bis zur kompletten Abschreibung.

Degressive Abschreibung wird benutzt um a) Steueranreize zu schaffen (Lenkungszweck der volkswirtschaftlichen Zahlungsströme) oder b) erhöhten Wertverlust buchhalterisch zu berücksichtigen

Beispiel: Neuwagenkauf. Dort ist zu Beginn der Wertverlust am höchsten. Aktuell gibt es allerdings keine degressive Abschreibung bei Neuwagen.

Für Unternehmer ist die AfA ebenfalls interessant. Alle Wirtschaftsgüter eines Unternehmens, deren netto Anschaffungskosten (ohne Umsatzsteuer) über 800 Euro liegen (Stand 2018), müssen über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben werden. Bis zu einem Nettobetrag von 800 Euro können sie im Jahr des Erwerbs vollständig abgesetzt / vom Gewinn abgezogen werden. Über wie viele Jahre ein bestimmter Gegenstand abgeschrieben werden muss, gibt das Finanzamt in Form von „AfA-Tabellen“ vor.

Bei der degressiven Abschreibung kann der jeweilige Abschreibungsbetrag nach folgender Formel berechnet werden:

Abschreibungsbetrag = Abschreibungssatz x Buchwert des Vorjahres

Beispiel

Für sein Unternehmen erwirbt jemand einen Computer mit einem Kaufpreis vom 833 Euro. Zieht man die Umsatzsteuer von 133 Euro (19 Prozent) ab, bleibt ein Nettobetrag von 700 Euro. Da die 800-Euro-Grenze nicht überschritten ist, kann der Kaufpreis des Computers noch im selben Jahr abgeschrieben werden.

Beispiel

Für seine Praxis erwirbt ein selbstständiger Arzt ein elektronisches Mikroskop mit einem Kaufpreis von 10.000 Euro. Das muss er auf 10 Jahre (laut offizieller AfA-Tabelle) verteilt von der Steuer absetzen.

Quelle: https://wikipedia.org/wiki/Absetzung_für_Abnutzung

Fragen und Antworten zur Abschreibung

Sind Abschreibungen Erträge?

Abschreibungen bedeuten eine Wertminderung eines Vermögensgegenstandes und werden dementsprechend in der Gewinn- und Verlustrechnung als Aufwand aufgeführt. Das führt insbesondere bei Kapitalgesellschaften zu einer Steuerersparnis.

Wie berechnet man die Abschreibung?

Für die lineare Abschreibung gibt es folgende Formel:

Abschreibungsbetrag = Anschaffungskosten / Nutzungsdauer

Was ist eine Abschreibung leicht erklärt?

Abschreibung beschreibt die Wertminderung eines Guts durch Verbrauch.

Wie lange kann man ein Auto abschreiben?

Die Nutzungsdauer von PKWs und Kombiwagen beträgt sechs Jahre und kann daher auch maximal sechs Jahre abgeschrieben werden.

Warum muss ich abschreiben?

Gründe zum Abschreiben sind zum Beispiel verbrauchsbedingte Ursachen wie die Abnutzung eines Gebäudes durch regelmäßigen Gebrauch. Weitere Ursachen für die Abschreibung sind zeitlich bedingte Ursachen wie zum Beispiel Abbau oder Verschleiß beim PKW.

Was bedeutet etwas abschreiben?

Die Abschreibung bedeutet die Erfassung und Verrechnung von Wertminderungen, die bei Vermögensgegenständen des Anlage- und Umlaufvermögens eintreten.

Was ist progressive Abschreibung?

Bei der progressiven Abschreibung werden die jährlichen Abschreibungsbeträge bis zum Ende der Nutzungsdauer ansteigen.

Wie hoch sind die Abschreibungen in ganz Deutschland?

Hier siehst Du die Höhe der Abschreibungen in der gesamten deutschen Volkswirtschaft von 1991 bis 2018 (in Milliarden Euro). Die Steigerung der Abschreibung in den letzten 20 Jahren (von 1998 [331,16 Mrd. Euro] bis 2018 [599,86 Mrd. Euro]) liegt bei 268,7 Mrd. Euro, dh. + 81,14%.

  • 2018 – 599,86 Mrd. Euro / Steigerung zu 2017: 4,663%
  • 2017 – 573,13 Mrd. Euro
  • 2016 – 552,08 Mrd. Euro
  • 2015 – 536,36 Mrd. Euro
  • 2010 – 459,73 Mrd. Euro
  • 2005 – 392,81 Mrd. Euro
  • 2000 – 354,35 Mrd. Euro
  • 1995 – 307,42 Mrd. Euro

Quelle: Statista

Steigerung in 20 Jahren (1998 bis 2018):

Steigerung in 20 Jahren + 81,14%

Wie verteilen sich die Abschreibung bzw. wie sieht die Anzahl der Unternehmen in Deutschland nach Beschäftigtengrößenklassen aus?

Beschäftigtengrößenklassen:

  • 0-9 Mitarbeiter: 3.109.261
  • 10-49 Mitarbeiter: 293.610
  • 50-249 Mitarbeiter: 63.928
  • 250-499 Mitarbeiter: 8.353
  • 500-999 Mitarbeiter: 3.906
  • 1.000-2.499 Mitarbeiter: 2.085
  • 2.500-4.999 Mitarbeiter: 440
  • 5.000-9.999 Mitarbeiter: 179
  • 10.000 und mehr: 98
  • Insgesamt: 3.481.860 Unternehmen

Statistik: Anzahl der Unternehmen* in Deutschland nach Beschäftigtengrößenklassen im Jahr 2017 | Statista

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