Bilanz / Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Bilanzen helfen Dir, das „große Ganze“ zu sehen: Den Nettowert Deines Unternehmens. Wie viel Geld hast Du und in welcher Form wird es aufbewahrt? Bilanzen sind auch wichtig, um einen Kredit zu erhalten, um Investoren zu finden oder um Dein Unternehmen zu verkaufen. Eine Bilanz ist ein Finanzbericht der die Aktiva, Passiva und das Eigenkapital Deines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt ausweist. Sie ist die Grundlage für die Berechnung von Renditen und zur Bewertung Deiner Kapitalstruktur. Sie liefert also eine Momentaufnahme. Dieser Beitrag führt Dich Schritt für Schritt durch das Thema Bilanz.

Bilanz zusammengefasst: Alle Fakten

Bilanz; von italienisch bilancio: Gleichgewicht (der Waage). Bei der Buchführung werden verschiedene Verfahren angewandt und vom Finanzamt gefordert. Das ist unter anderem von der Gesellschaftsform und der Höhe der Einnahmen abhängig. Zwei der gängigsten Verfahren sind die Bilanz und die Einnahmen-Überschuss-Rechnung.

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung stellt eine einfache Methode der Buchführung dar. Sie dient zur Gewinnermittlung. Die Einnahmen werden den Ausgaben gegenübergestellt. Die Differenz ist der Gewinn oder Verlust. Freiberufler dürfen ihren Gewinn immer mit Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Bei Unternehmen und Kaufleuten ist das nur der Fall, wenn ihre Umsätze und Gewinne bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, Genossenschaften etc.) müssen immer bilanzieren.

Eine Bilanz ist im Grunde eine Gegenüberstellung von Vermögen und Schulden zu einem bestimmten Zeitpunkt. Auf der linken Seite der Bilanz steht das Vermögen (als Aktiva bezeichnet). Auf der rechten Seite sind Eigenkapital und Schulden (als Passiva bezeichnet) aufgeführt. Die Erstellung einer Bilanz folgt anderen Regeln als eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung und ist komplexer, aufwendiger und entsprechend teurer.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bilanzhttps://de.wikipedia.org/wiki/Einnahmenüberschussrechnung

Bilanz im Detail – Was ist eine Bilanz?

Wie oben beschrieben, liefert Dir eine Bilanz eine Momentaufnahme Deiner finanziellen Lage zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie besteht im Wesentlichen aus drei Teilen:

  1. Aktiva – Vermögenswerte
  2. Passiva – Finanzierung (Eigenkapital, Verbindlichkeiten)
  3. Eigenkapital

Aktiva zeigt, welches Vermögen Deinem Unternehmen zur Verfügung steht (liquides Vermögen, mit dem gearbeitet werden kann). Passiva zeigt auf, wie Deine Vermögenswerte im Unternehmen finanziert wurden, durch Eigenkapital oder Verbindlichkeiten (Kredite). In der Regel erstellen Unternehmen eine solche Bilanz am Ende einer Berichtsperiode, zum Beispiel am Ende eines Monats, Quartals oder Jahres.

Diese buchhalterische Gleichung ist der Schlüssel zur Bilanz:

Aktiva = Passiva + Eigenkapital

Warum, erfährst Du jetzt im Detail.

Zweck einer Bilanz

Aussagen zur finanziellen Vitalität – Da die Bilanz jede Transaktion seit der Gründung Deines Unternehmens widerspiegelt, gibt sie Aufschluss über die allgemeine finanzielle Vitalität Deines Unternehmens. Auf einen Blick weißt Du genau, wie viel Geld Du investiert hast oder wie viel Schulden Dein Unternehmen angehäuft hat. Du, aber auch Dritte (Banker, Investoren), die sich für Dein Unternehmen interessieren, können durch den Vergleich von Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten sicherstellen, dass Du in der Lage bist, anstehende Zahlungen zu leisten.

Berechnung von Finanzkennzahlen – Die Informationen in der Bilanz Deines Unternehmens können Dir helfen, wichtige Finanzkennzahlen zu berechnen. Zu diesen Kennzahlen gehören zum Beispiel das Verhältnis „Schulden zu Eigenkapital“, das zeigt, inwiefern Dein Unternehmen in der Lage ist, seine Schulden mit Eigenkapital zu bezahlen (falls dies erforderlich sein sollte). Noch unmittelbarer anwendbar ist das aktuelle Verhältnis „Umlaufvermögen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten“. Dieses Verhältnis sagt Dir, ob Du in den nächsten 12 Monaten in der Lage sein wirst, alle Schulden zu bezahlen.

Langzeit Vergleich – Du kannst Deine aktuelle Bilanz ebenso mit Früheren vergleichen, um zu analysieren, wie sich Deine Finanzen im Laufe der Zeit verändert und entwickelt haben. So kannst Du sehen, wie weit Du seit Tag 1 gekommen bist (oder auch nicht).

  • Finanzielle Vitalität Deines Unternehmens
  • Berechnung von Kennzahlen
  • Langzeit Vergleich mit früheren Bilanzen

Struktur einer Bilanz

Bilanzen werden, wie alle Jahresabschlüsse, geringfügige Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen und Branchen aufweisen. Es gibt jedoch mehrere Bereiche und Einzelposten, die fast immer in Bilanzen enthalten sind. Wir gehen jetzt kurz auf häufig anzutreffende Einzelposten ein. Dafür betrachten wir:

  • Umlaufvermögen
  • Langfristiges Vermögen
  • Kurzfristige Verbindlichkeiten
  • Langfristige Verbindlichkeiten
  • Eigenkapital ein

Wer muss eine Bilanz erstellen?

Alle Unternehmer müssen ihren anfallenden Gewinn über die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für die Steuererklärung ermitteln. § 140 AO besagt: „Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten nach anderen Gesetzen: Wer nach anderen Gesetzen als den Steuergesetzen Bücher und Aufzeichnungen zu führen hat, die für die Besteuerung von Bedeutung sind, hat die Verpflichtungen, die ihm nach den anderen Gesetzen obliegen, auch für die Besteuerung zu erfüllen.“

Zur Erstellung von Bilanzen sind die folgenden Unternehmensformen verpflichtet durch:

  1. Einzelunternehmen mit hohem Gewinn und Umsatz
  2. Personengesellschaften
  3. Kapitalgesellschaften

Diese Formen von Unternehmen müssen eine Bilanz erstellen:

  • Haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft UG
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH
  • Aktiengesellschaften AG
  • Offene Handelsgesellschaften OHG
  • Kommanditgesellschaften KG
  • Eingetragene Genossenschaften eG
  • Kommanditgesellschaften auf Aktien KGaA

Ausnahmen gibt es nur bei Einzelunternehmen mit geringem Gewinn und Umsatz. Kurz zusammengefasst sind dies:

  • Freiberufler
  • Gewerbetreibende mit Umsatz unter 600.000 Euro / Jahr und einem Gewinn von weniger als 60.000 Euro

Wichtig: Dies gilt nicht für Kapitalgesellschaften wie oben beschrieben, zum Beispiel UG (haftungsbeschränkt), GmbH, AG, etc. Lies hier mehr unter Einnahmen-Überschuss-Rechnung.

Aktiva, Passiva und Eigenkapital

Alle Bilanzen sind, wie oben beschrieben, in drei Kategorien eingeteilt: Aktiva, Passiva und Eigenkapital.

Aktiva

Beginnen wir mit den Vermögenswerten. Vermögenswert sind die Dinge, die Dein Unternehmen besitzt und die einen Euro-Wert darstellen. In der Bilanz listest Du Deine Vermögenswerte in einer bestimmten Reihenfolge auf, abgestuft nach ihrer Liquidität. Du zeigst damit also, wie leicht Gegenstände in Bargeld umgewandelt, verkauft oder konsumiert werden können. Alles, was sich innerhalb eines Jahres zu Bargeld umwandeln lässt, wird als Umlaufvermögen bezeichnet.

Zum Umlaufvermögen gehören

  • Geld auf dem Girokonto
  • Forderungen (Geld, das Dir Kunden schulden)
  • Kurzfristige Investitionen
  • Lagerbestand
  • Vorausbezahlte Ausgaben
  • Zahlungsmitteläquivalente (Währung, Aktien und Anleihen)

Langfristige Vermögenswerte hingegen sind Dinge, die Du nicht innerhalb eines Jahres in Bargeld umwandeln kannst.

Langfristige Vermögenswerte umfassen

  • Gebäude und Grundstücke
  • Maschinen und Ausrüstung (abzüglich kumulierter Abschreibungen)
  • Immaterielle Vermögenswerte wie Patente und Marken
  • Langfristige Investitionen

Beispiel – Nehmen wir an, Du bist Immobilienmakler und hast Dein eigenes Unternehmen gegründet. Am 31. Dezember ist Dein Vermögen im Unternehmen wie folgt aufgestellt: Geld auf Deinem Girokonto, eine unbezahlte Rechnung in Höhe von 560 Euro für eine Vermittlung, die Du gerade abgeschlossen hast und erste Büroausstattung (Notebook) im Wert von 850 Euro. So würdest Du Dein Vermögen in einer Bilanz auflisten.

Aktiva
________________________
Bankkonto: 12.440 Euro
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen: 560 Euro
Büroausstattung: 850 Euro
________________________
Aktiva (insgesamt) 13.850 Euro

Passiva (Verbindlichkeiten)

Als nächstes kommen Deine Verbindlichkeiten. Werte, die Dein Unternehmen anderen schuldet. So wie sich Aktiva nach Liquidität auflistet, ordnest Du Deine Verbindlichkeiten nach ihrem Fälligkeitsdatum auf. Genau wie Deine Vermögenswerte klassifizierst Du sie von kurzfristig (fällig innerhalb eines Jahres) bis langfristig (das Fälligkeitsdatum ist mehr als ein Jahr entfernt).

Zu Deinen kurzfristigen Verbindlichkeiten könnten gehören:

  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (was Du Lieferanten für Artikel schuldest, die Du auf Kredit oder Kommission gekauft hast)
  • Löhne, die Du Deinen Mitarbeitern für bereits geleistete Arbeitsstunden schuldest
  • Darlehen, die Du innerhalb eines Jahres zurückzahlen musst
  • Geschuldete Steuern

Zu Deinen langfristige Verbindlichkeiten zählen Einzelposten wie:

  • Darlehen, die Du nicht innerhalb eines Jahres zurückzahlen musst
  • Anleihen, die Dein Unternehmen ausgegeben hat

Beispiel – So könnten Deine Verbindlichkeiten (als Immobilienmakler nach Gründung) aussehen:

Verbindlichkeiten
________________________
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen:  1.550 Euro
Langfristige Schulden: 4.000 Euro
________________________
Verbindlichkeiten (insgesamt): 5.550 Euro

Eigenkapital

Eigenkapital ist Geld, das derzeit von Deinem Unternehmen gehalten wird. Es zeigt, was den Eigentümern des Unternehmens gehört. Das Eigenkapital kann sinken, wenn ein Eigentümer Geld aus dem Unternehmen abzieht, um sich selbst zu bezahlen oder wenn ein Unternehmen Dividenden an die Aktionäre ausschüttet.

Das Eigenkapital der Eigentümer umfasst:

  • Kapital (von den Eigentümern, die in das Unternehmen Geld investiert haben)
  • Privater oder öffentlicher Bestand
  • Einbehaltene Gewinne (berechnet aus all Deinen Einnahmen abzüglich alle Deiner Ausgaben seit Beginn)

Nehmen wir an, Du hast 10.000 Euro investiert, um Dein Makler Unternehmen zu gründen und weitere 5.000 Euro ein Jahr später. Seitdem hast Du Dir selbst 9.000 Euro ausbezahlt, der andere Teil Deines Gewinns liegt nach wie vor auf der Bank.

Beispiel – So könnte Deine Bilanz (als Immobilienmakler nach der Gründung) aussehen:

Eigenkapital
________________________
Kapital: 15.000 Euro
Einbehaltene Gewinne: 16.500 Euro
Auszahlung: -9,000 Euro
________________________
Eigenkapital (insgesamt): 22.500 Euro

Die Bilanzgleichung

Diese buchhalterische Gleichung hast Du bereits am Anfang des Artikels kennengelernt:

Aktiva = Passiva + Eigenkapital

Aktiva steht auf einer Seite, Passiva und Eigenkapital auf der anderen. Beide Summen beider Seiten müssen ein Gleichgewicht darstellen, die Bezeichnung „Bilanz“ (italienisch bilancio = Gleichgewicht [der Waage], zu: bilanciare = abwägen; im Gleichgewicht halten / Quelle: Duden.de).

Zusammengefasst – Die Bilanz spiegelt jede Transaktion seit Gründung Deines Unternehmens wider. Sie gibt Aufschluss über die allgemeine finanzielle Vitalität Deines Unternehmens. Auf einen Blick weißt Du genau, wie viel Geld Du investiert oder wie viele Schulden Du angehäuft hast. Du kannst Dein Umlaufvermögen mit den kurzfristigen Verbindlichkeiten vergleichen, um sicherzustellen, dass Du in der Lage bist, alle anstehenden Zahlungen zu leisten. Vergleiche sie auch, wie oben beschrieben, mit Deinen früheren Bilanzen um zu sehen, wie sich Deine Finanzen im Laufe der Zeit verändert haben und wie erfolgreich Deine eigene Entwicklung war.

Musterbilanz: Download Excel + PDF (kostenlos)

Du kennst jetzt Aktiva, Passiva und Eigenkapital. Im nächsten Schritt kannst Du Deine Daten in eine Standardvorlage einfügen (die Du Dir hier kostenlos herunterladen kannst). So sieht eine Musterbilanz aus, im richtigen Bilanzformat:

Hier exemplarisch eine Bilanz in Kurzform:

Erkenntnisse aus der Bilanz

Bilanzen sagen viel über die Liquidität aus. Sie geben Dir, aber auch Banken und Investoren wichtige Erkenntnisse und Kennzahlen.

Liquidität

Der Vergleich des Umlaufvermögens eines Unternehmens mit seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten vermittelt ein realistisches Bild der Liquidität des Unternehmens. Das Umlaufvermögen sollte größer sein als die kurzfristigen Verbindlichkeiten, damit das Unternehmen seine kurzfristigen Verpflichtungen decken kann, wie Du oben gelernt hast.

Wenn Du Dich fragst, wie eine solche Kennzahl aussieht, die beispielsweise Banken oder Investoren heranziehen, hier ein Beispiel: Eine Liquididätskenzahl ist das „Current Ratio“, in Deutsch die „Liquidität 3. Grades“. Für die Berechnung werden die kurzfristigen Vermögensgegenstände durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten geteilt. Ihr Wert sollte zwischen 1 und 1,7 liegen.

Effizienz

Wenn man die Gewinn- und Verlustrechnung in Kombination mit der Bilanz betrachtet, kann man beurteilen, wie effizient ein Unternehmen seine Vermögenswerte einsetzt.

Wenn man zum Beispiel die Einnahmen im Anlagevermögen aufteilt, erhält man die Vermögensumschlagshäufigkeit (Englisch: Asset Turnover Ratio), die anzeigt, wie effizient Dein Unternehmen Vermögenswerte in Einnahmen umwandelt. Darüber hinaus zeigt der Zyklus des Betriebskapitals, wie gut Dein Unternehmen liquide Mittel auf kurze Sicht verwaltet.

Ertragsraten

Die Bilanz wird aber auch genutzt, um zu bewerten, wie ein Unternehmen Erträge erwirtschaftet. Zum Beispiel die Eigenkapitalrendite (Englisch: Return on Equity [ROE]). Sie bezeichnet das Verhältnis Deines Gewinns im Verhältnis zum Eigenkapital. Je höher die Eigenkapitalrendite ist, desto wirtschaftlicher arbeitet Dein Unternehmen.

Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) – Sie ist eine einfache Methode zur Gewinnermittlung. Alle Unternehmer müssen ihren anfallenden Gewinn über die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für die Steuererklärung ermitteln. Wer selbstständig ist und unterhalb einer gewissen Umsatz- und Gewinngröße bleibt, der kann die vereinfachte Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) nutzen. Die EÜR stellt Deine Einnahmen und Ausgaben gegenüber.

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