Außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen sind Ausgaben, die nicht als Werbungskosten (für Arbeitnehmer) oder Betriebskosten (für Arbeitgeber) steuerlich geltend gemacht werden können. Dazu gehören beispielsweise selbst übernommene Krankheitskosten, Pflegekosten, etc. Daher gibt es die Möglichkeit diese Ausgaben als außergewöhnliche Belastung geltend zu machen.

Außergewöhnliche Belastungen: Definition

Hat ein Steuerzahler unvermeidbare größere Belastungen als andere Steuerzahler (mit vergleichbarem Einkommen, Vermögen oder Familienstand), kann er seine Einkommensteuer senken lassen. Dieses muss er beantragen. Dafür müssen die außergewöhnlichen Belastungen in der Steuererklärung angegeben werden. Außergewöhnliche Belastungen können zumindest zum Teil vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Dazu zählen nach § 33 Einkommensteuergesetz unter anderem:

  • Aufwendungen für Heimunterbringung
  • Ausgaben für den Unterhalt einer bedürftigen Person
  • Pflege- und Betreuungsleistungen
  • Krankheitskosten
  • Ausgaben für Hilfsmittel und Heilmittel
  • Kosten im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt
  • Ausgaben für Schäden an Haus oder Wohnung (Naturkatastrophen)
  • Bestattungskosten

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Außergewöhnliche_Belastung

Berechnung der außergewöhnlichen Belastungen

Die außergewöhnlichen Belastungen werden allerdings nicht komplett erstattet. Hier kommt die zumutbare Belastung ins Spiel. Du hast noch nie davon gehört? Ich erkläre es Dir.

Zumutbare Belastungen

Der Staat geht davon aus, dass Du eine gewisse Summe selber von Deinem Einkommen tragen kannst. Dieser Betrag nennt sich die „zumutbare Belastung“. Festgemacht wird die zumutbare Belastung anhand Deines Bruttojahreseinkommen und der Anzahl deiner Kinder.

Beispiel: Bei einem Bruttojahreseinkommen von 30.000 Euro und einer Anzahl von 1 – 2 Kinder hast Du eine zumutbare Belastung von 746,60 Euro.

Bruttojahreseinkommen: 30.000 Euro
Kinder: 1-2
Zumutbare Belastung: 746,60 Euro

Alles außergewöhnlichen Belastungen können mit dem darüber hinausgehenden Betrag steuerlich abgesetzt werden. Das bedeutet im Klartext: Der Staat schreibt Dir diese 746,60 Euro als zumutbar zu. Wenn man beispielsweise nicht erstatte Krankheitskosten von 1.218,20 Euro hatte, kann der Differenzbetrag von 471,6‬0 Euro steuerlich abgesetzt werden.

Es gibt viele Websites, die die Berechnung der zumutbaren Belastung anbieten.

Wo trage ich meine außergewöhnlichen Belastungen ein?

Die Steuererklärung besteht aus mehreren Formularen mit mehreren Seiten. Für die außergewöhnlichen Belastungen gibt es einen extra Vordruck, der auch außergewöhnliche Belastungen heißt. Die außergewöhnlichen Belastungen findest Du in Anlage 3.

Beispiele von außergewöhnlichen Belastungen

Damit Du einen besseren Einblick bekommst, welche Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen gelten, findest Du hier eine Liste von Beispielen.

Krankheitskosten

Einige Krankheitskosten sind steuerlich absetzbar. Welche jedoch nicht absetzbar sind, sind vorbeugende Maßnahmen, wie beipielsweise Krankenkassenbeiträge. Hier einige Beispiele für absetzbare Krankheitkosten:

  • Rollstuhl
  • Brille
  • Hörgerät
  • Akupunktur
  • Vom Arzt verschriebene Massagen

Alternativmedizin

Alternative Medizin kann gegebenenfalls auch steuerlich abgesetzt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass ein Arzt oder Heilpraktiker bestimmte Behandlungen verordnet.

Kurkosten

Kurkosten werden in der Regel nicht vollkommen von der Krankenkasse übernommen. Die Kosten, die Du tragen musst, kannst Du als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen.

  • Kurmittelkosten
  • Unterbringungskosten
  • Selbst bezahlte Arztkosten
  • 80 % der Verpflegungsmehraufwendungen (ein fünftel wird bereits als Haushaltsersparnis abgezogen)
  • Wenn eine Begleitperson aus ärztlicher Sicht erforderlich ist, können gegebenenfalls auch ihre Fahrt- und Unterkunftskosten

Pflegekosten

Die Unterbringung in einem Altersheim kann nur dann als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden, wenn die Unterbringung altersbedingt ist.

Pflegekosten für die Eltern

Aufwendungen für Pflegekosten von einer verwandten Person, die zwangsläufig entstehen, können auch als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden.

Bestattungskosten

Solltest Du die Beerdigung eines Angehörigen bezahlt haben, kannst Du auch diese Summe als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen. Achtung: Das geht nur, wenn die Kosten der Beerdigung höher sind als etwaige Ersatzleistungen sind, wie zum Beispiel das Sterbegeld der Krankenkasse. Zu den außergewöhnlichen Belastungen kannst Du nur die Bestattung an sich steuerlich geltend machen (Grabstein, Sarg, Blumen, Todesanzeige). Der etwaige Leichenschmaus oder anfallende Reisekosten der Gäste werden hier vom Finanzamt nicht mitberücksichtigt.

Wiederbeschaffungskosten

Im Fall von Beschädigungen durch Naturkatastrophen können Kostrn für Wiederbeschaffungen steuerlich geltend gemacht werden. Das gilt beispielsweise für Hochwasser, Brände, etc.

Fragen und Antworten zur außergewöhnlichen Belastung

Was zählt zu außergewöhnlichen Belastungen? Was versteht man unter Sonderausgaben? Dies sind die häufig gestellten Fragen zum Thema „Außergewöhnliche Belastungen“.

Was zählt zu außergewöhnlichen Belastungen?

Zu außergewöhnlichen Belastungen gehören beispielsweise Pflegekosten, Krankheitskosten, Kurkosten, Bestattungskosten oder auch Wiederbeschaffungskosten.

Was sind außergewöhnliche Belastungen bei der Einkommensteuer?

Außergewöhnliche Kosten können bei der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Sind Brillen außergewöhnliche Belastungen?

Es ist möglich, Brillen als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend zu machen. Die vollständigen Kosten können leider nicht abgeschrieben werden. Das liegt daran, dass jedem Steuerzahler eine zumutbare Belastungsgrenze zugeschrieben wird. Erstattet wird dann nur der Differenzbetrag zwischen der Belastungsgrenze und der Ausgabe für die Brille.

Was versteht man unter Sonderausgaben?

Ausgaben die nicht unter Betriebs- oder Werbungskosten fallen, können aufgrund von Sondervorschriften von der Einkommensteuer abgezogen werden. Das sind Sonderausgaben.

Was zählt zu haushaltsnahen Dienstleistungen?

Zu haushaltsnahen Dienstleistungen gehören Tätigkeiten, wie das Reinigen der Wohnung, Putzen der Fenster, die Gartenpflege oder auch Dienstleistung bei Umzügen.

Was gehört zu den Sonderausgaben im Sinne des Steuerrechts?

Zu Sonderausgaben gehören alle Aufwendungen, die weder zu den Betriebsausgaben noch zu den Werbungskosten gehören.

Welche Versicherung sind steuerlich absetzbar?

Versicherungen, die der Vorsorge dienen, können als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden. Dazu gehören Pflegeversicherung, Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung, Unfallversicherung, Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung und Risikolebensversicherung.

Welche Versicherungen kann man als Rentner steuerlich absetzen?

Rentner können die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung steuerlich geltend machen. Diese zählen zu den Sonderausgaben.

Ist die KFZ Versicherung steuerlich absetzbar?

Als Sonderausgaben können Beiträgen zur KFZ-Haftpflichtversicherung in der Steuererklärung angegeben werden und sind somit absetzbar.

Wo trage ich meine Versicherungen bei der Steuer ein?

Die Beiträge zur privaten Haftpflichtversicherung werden in der „Anlage Vorsorgeaufwände“ (Zeile 46 – 50) eingetragen.

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